Worauf Sie beim Marketing auf Knuddels achten sollten

Wir erhielten mehrere Angebote und haben uns für diesen Artikel das Angebot der Firma "MK Marketing e.K" aus Dortmund ausgesucht, anhand dessen wir exemplarisch erörtern möchten, worauf Sie bei der Schließung eines Vertrags achten sollten. Bitte beachten Sie auch, dass wir keine Rechtsanwälte sind. Dies ist keine Rechtsberatung, weswegen wir auf rechtliche Wertungen weitestgehend verzichten wollen. Der Artikel ist ausschließlich eine persönliche Interpretation.


Das Angebot als PDF ansehen:

subunternehmervertrag_mk_marketing.pdf

Der Gesamteindruck des Vertrags

Wir haben Ihnen den Vertrag als Gesamtwerk zum Download zur Verfügung gestellt. Sie sind also in der Lage sich selbst ein Bild zu machen. Dennoch möchte ich es mir nicht nehmen lassen, auch den Gesamteindruck des Schriftstücks (welches uns auch exakt so postalisch erreichte) zu erörtern.


Der Vertrag selbst entstammt in seinen Grundzügen einer Vorlage der IHK. Das ist nicht ungewöhnlich. Kleine Unternehmer können sich dort bedienen und wissen, dass alle wichtigen Standardpunkte abgedeckt sind. Manchmal greifen auch größere Unternehmen und Anwaltskanzleien darauf zurück und passen die Verträge an Ihre Bedürfnisse an. Das ist also insoweit nicht unüblich oder verwerflich. Und doch gibt es hier einiges zu bemängeln. Angaben des Geschäftsführers zufolge wurde der Vertrag durch die eigene Rechtsabteilung angepasst. Ich möchte ganz ehrlich sein: Mir kommt der Vertrag nicht vor, als hätten ihn rechtlich versierte Menschen angepasst. Denn mir erschließt sich nicht warum einige sinnlose Bestandteil (z.B die "Gefahrtragung") in einem solchem Vertrag angepasst aber nicht entfernt werden. Immerhin ist ein Fall in dem dieser Punkt zur Geltung kommt nie zu erwarten.


Ein weiteres schlechtes Licht auf den Vertrag wirft auch die Tatsache, dass man meinen Namen gleich mehrfach falsch schrieb. Das wirkt auf mich nicht besonders professionell. Noch viel unprofessioneller wirken die teils gigantisch anmutenden Lücken innerhalb des Vertrags. Zwischen §§ 8 und 9 beispielsweise gibt es eine halbe Seite mit Freiraum. Wollte man dort noch etwas schreiben? Wird dort noch etwas geschrieben? Wir wissen es nicht, aber die Wirkung ist erst einmal sehr schlecht. (Wir empfehlen solche Leerräume im Allgemeinen "ungültig" zu machen, bevor der Vertrag unterschrieben wird. Hierzu eignet sich ein diagonaler Strich über den gesamten Leerraum).

Der Inhalt

Meinen (mehrfach) falsch geschriebenen Namen habe ich bereits angesprochen. Aber ich tue es noch einmal, für alle Leute da draußen: Falsch geschriebene Namen sind im Geschäftsleben fast schon eine Todsünde. Menschen fühlen sich verletzt, wenn ihre Namen falsch geschrieben werden, denn ihr Name ist Teil ihrer individuellen Identität. Deswegen wird die Ausschreibung von Namen im Geschäftsleben oft doppelt und dreifach auf Korrektheit geprüft, bevor man ein Schreiben versendet.


Der Name mag ein Lapsus sein. Fragwürdig geht es mit dem Inhalt aber dennoch weiter. Es gibt zum Beispiel überhaupt keine Vertragsgrundlagen. Es gibt zwar §2 Vertragsgrundlagen, aber dieser hat keinen Inhalt, nur das leere Versprechen, dass die Vertragsgrundlagen gleich folgen. Wusste die "Rechtsabteilung" nicht, dass man dies mit einigen Punkten erweitern musste? Oder wusste man einfach nicht, was mit Vertragsgrundlagen gemeint ist?


Die Definition der Vergütung in §3 Vergütung ist auch sehr interessant. Dort heißt es unter Punkt 1, der Vertragspreis beträgt 33% der Tagesgewinne. Es handelt sich also um eine dynamische Vergütung. Oder nicht? Es heißt weiter im Punkt 2, dass "die Vertragspreise Festpreise" sind. Ein Festpreis wurde aber nirgends ausgemacht. Im nächsten Satz heißt es dann wieder, die Preise können variieren, wenn sich die Nutzung des Channels ändert, also sind die Preise nun doch wieder variabel? Wonach genau richtet sich denn dann der neue Preis exakt? Wie stark/schwach muss die Nutzung des Channels sein? Das ist alles nicht nur sehr verwirrend, das macht auch so überhaupt keinen Sinn. Ich lasse mich natürlich gerne eines Besseren belehren.


Merken Sie sich an dieser Stelle auch schon einmal §3 Absatz 3. Wir werden darauf später noch einmal zurückkommen.


§4 ist ebenfalls sehr amüsant. Denn auch hier scheint es Verständnisprobleme in der Rechtsabteilung gegeben zu haben. Zahlungsbedingungen sind nämlich Bedingungen die eingehalten werden müssen, damit der Dienstleister Anrecht auf seine Bezahlung hat. Dazu gehört z.B die Ausstellung einer Rechnung zu einem bestimmten Tag, an eine bestimmte Person.

Davon abgesehen, dass diese "Bedingungen" dort nichts zu suchen haben, sind die Formulierungen auch sehr Laienhaft ausgestaltet und lassen mich nicht auf die Existenz einer Rechtsabteilung schließen.


Wir kommen auch schon zum §5 Absatz 4, dort heißt es wörtlich:

Zitat

Im Falle der Nichteinhaltung der Vertragstermine haftet der Subunternehmer [...]. Eine Haftung des Subunternehmers besteht nicht.

Das wirkt doch sehr nach einem Oxymoron. Erst haftet er, dann haftet er wieder nicht? Einen solchen Fall hatten wir bereits weiter oben in der Vergütung. Es ergibt keinen Sinn und das lässt den ganzen Punkt nicht nur fragwürdig erscheinen, sondern müsste dann auch von einem Gericht entschieden werden, wenn man sich auf diesen Punkt berufen will.


§5 Absatz 5 machte mir persönlich die größten Sorgen. Dort heißt es, dass ich (als Generalunternehmer) verpflichtet bin alles zu tun was zur Förderung des Channels führt. Das mag erst einmal nicht weiter tragisch klingen. Betrachten wir das aber genauer.

Wie wird die "Förderung" des Channels definiert? Dies findet sich im gesamten Vertrag nicht. Das ist sehr schwammig und ist eine Klausel die durchaus dazu genutzt werden könnte um jede Änderung zu erzwingen, auch wenn man selbst nicht damit einverstanden ist. Ich möchte doch mein Projekt nach meinen Prinzipien führen. Ich stelle hier jemanden ein, der mir helfen soll den Channel zu bewerben und mir hierzu Tipps geben soll. Tipps kann ich aber ablehnen, wenn sie mir nicht gefallen. Mit diesem Punkt ist das aber nicht mehr so einfach möglich. Der Subunternehmer hat damit eine (nicht zu verachtende) Gewalt über Ihr Projekt. Denn wenn sie die Vorschläge nicht umsetzen, so bezahlen sie weiter, aber der Subunternehmer muss nichts mehr tun.


Wir nähern uns langsam dem Ende. Halten Sie noch etwas durch.


$10 die Kündigung. Hier gibt es gleich einiges zu bemängeln:


1. Es wird nicht unterschieden zwischen der Kündigung von Seiten des Generalunternehmers und der Kündigung von Seiten des Subunternehmers.


2. In §3 haben wir die Vergütung bereits geregelt (und zwar mit 3 jeweils gegensätzlichen Regelungen). Im Falle einer Kündigung müssen wir aber wieder eine andere Vergütung leisten und zwar entsprechend den Marktüblichen Listenpreisen. Das mit den Vergütungen wird immer verwirrender, undurchsichtiger und fragwürdiger.


3. Den Schadenersatz erhält der Subunternehmer auch dann, wenn er mir den Vertrag kündigt. Wie bereits in Punkt 1 genannt: Es gibt keine Unterscheidung ob ich kündige oder der Subunternehmer.


4. Ich darf also mein geistiges Eigentum nicht mehr verkaufen. Womit will man das begründen? Dass ich sie selber nicht mehr nutzen darf (weil ich ja sonst den Schadenersatz umgehen könnte) würde Sinn machen. Aber dass ich mein Eigentum nicht mehr verkaufen darf... es macht für mich keinen Sinn, warum ich darauf eingehen sollte. Immerhin ist das mein Geschäftskonzept: Software zu entwickeln und zu verkaufen.


Ein §14 fehlt. Stattdessen gibt es noch eine große Lücke zwischen §§13 und 14 (denken Sie an den Strich, nur zur Sicherheit).


Nach den Fußnoten müssen Sie übrigens auch nicht suchen. Zwar werden einige Fußnoten im Vertrag gekennzeichnet, diese wurden aber nicht ans Ende beigefügt.

Das Fazit

Für mich ist dieser Vertrag nicht ernst zu nehmen. Wir haben mehrere solcher Verträge erhalten. Die anderen waren auch nicht viel besser. Es ist für mich wirklich nicht begreiflich, warum die Knuddels GmbH & Co KG mit solchen Unternehmen zusammenarbeitet. Selbstverständlich ist es einem jedem selbst überlassen, welche Verträge er aushandelt, das soll auch so bleiben. Aber solche Verträge hinterlassen bei mir einen faden Beigeschmack und ich würde mich als Unternehmer umgehend von solchen "Partnern" trennen, wenn sie einen solch unseriösen Eindruck hinterlassen. Denn ein solcher Eindruck fällt immer auch auf einen selbst zurück.


Ich für meinen Teil habe entschieden; auf solche Angebote ist zu verzichten. Sie sind das Papier nicht wert, auf dem sie geschrieben wurden.